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Benefiz-Musical 2026

23. Sept.
3 Min. Lesezeit
Bilder, die in mir weiterleben - Die Geschichte der Mutter, erzählt aus den Augen ihrer Tochter.

Die Geschichte hinter dem Musical Textverfasserin: Jana Aroha Rutschmann Datum: 08.08.2026



ABRI - Das Vermächtnis der Gefährten

«Es beginnt nicht mit einem Schlag, es beginnt mit Worten»

Ein junges Mädchen wächst in einer Familie auf, die nach aussen vollkommen normal erscheint. Doch hinter verschlossenen Türen erlebt die Vierzehnjährige täglich etwas, das kaum jemand sehen kann: emotionalen Missbrauch.


Sie lernt früh, die Stimmung anderer zu lesen, bevor sie ihre eigene wahrnimmt. Sie lernt, vorsichtig zu sein, zu schweigen und an sich selbst zu zweifeln. Ihre Gefühle werden klein geredet, ihre Wahrnehmung infrage gestellt. Immer wieder wird ihr vermittelt, dass sie zu empfindlich, zu schwierig oder selbst schuld sei. So entsteht eine Gewalt, die keine sichtbaren Wunden hinterlässt und einen Menschen von innen zerbricht.


Mit der Zeit beginnt nicht nur ihre Seele, sondern auch ihr Körper, die Last zu tragen.

Dann wird aus den Worten offene häusliche Gewalt.

Und sie flieht.


Allein, ohne Plan und ohne zu wissen, wohin sie gehen kann, erreicht sie einen Punkt, an dem nichts mehr bleibt, ausser der Sehnsucht nach etwas Echtem. Nach einer Welt, in der ein Nein wirklich Nein bedeutet. Nach Beziehungen, in denen Nähe nicht zur Waffe wird. Nach einem Ort, an dem sie nicht ständig darum kämpfen muss, sein zu dürfen, wer sie ist.


Sie begegnet den Gefährten von Abri – magische Wegleiter in eine Welt, deren Ursprung in der Tierwelt liegt.


Abri ist keine Welt ohne Angst, Schmerz oder Grenzen. Doch die Tiere tragen keine Masken. Sie spielen keine Spiele, um Macht zu gewinnen. Sie verstecken nicht, was sie fühlen. Sie kommen näher, wenn sie vertrauen, und ziehen sich zurück, wenn etwas zu viel wird.


Für das Mädchen beginnt eine Reise zurück zu etwas, das sie fast verloren hat: zu sich selbst.


Mit ihrem Hund lernt sie, dass eine Beziehung nicht auf Angst aufgebaut sein muss. Sie lernt, zuzuhören, Grenzen zu respektieren und Verantwortung zu übernehmen. Ihr Hund kennt ihre Vergangenheit nicht. Er sieht nur den Menschen, der vor ihm steht.


Zwischen ihnen entsteht ein Band, das nichts erzwingt und nichts vorspielt.

Zum ersten Mal erfährt sie, wie sich Vertrauen anfühlen kann, wenn es nicht erzwungen wird.


Später führt ihr Weg in die Welt der Pferde. Dort muss sie lernen, Sicherheit zu geben, statt sie zu verlangen. Ein Pferd spürt ihre Angst und ihre Unsicherheit, noch bevor sie selbst Worte dafür findet. Durch ihr Pony entdeckt sie, dass ihre Feinfühligkeit niemals eine Schwäche war.

Sie war eine Sprache.

Eine Fähigkeit, zu spüren, was andere nicht sehen.


Doch die Vergangenheit wartet.


Denn das Erlebte lässt sich nicht einfach abschütteln. Ein Trauma verschwindet nicht, nur weil das Leben wieder schöne Momente kennt. Manche Wunden sieht niemand – und trotzdem sind sie jeden Tag da.


Und während diejenigen, die Gewalt ausüben, ihr Leben weiterführen können, müssen Betroffene oft jeden Tag aufs Neue lernen, mit dem zu leben, was andere in ihnen hinterlassen haben. Vergangenheit kommt immer wieder mit aller Macht zurück.


Die Erinnerungen an Abri, an Vertrauen und Freiheit werden von den alten Stimmen überlagert. Alles droht wieder in Angst, Schuld und Selbstzweifel zu zerfallen.


Doch diesmal verdrängt das Mädchen nicht, was geschehen ist.


Ihr Hund spürt ihren inneren Kampf und bleibt bei ihr.

Er stellt keine Forderung, schafft keinen Zwang und gibt ihr nur echte Nähe.


Die Vergangenheit verschwindet nicht. Aber sie verliert ihre Macht.


Nach und nach erscheinen die Gefährten, ihr Hund, ihr Pony und die Tiere von Abri. Sie kommen nicht, um sie zu retten. Sie kommen, um bei ihr zu sein.

Denn am Ende muss sie niemand werden, der sie nie war.

Sie muss nur wieder zu sich selbst finden.


Sie erkennt, dass Frieden nicht bedeutet, die Vergangenheit zu vergessen. Frieden bedeutet, mit ihr leben zu können, ohne sich selbst darin zu verlieren.


Abri wird zu einer Erinnerung daran, dass Nähe nicht weh tun muss. Dass Liebe keine Kontrolle braucht. Dass Grenzen respektiert werden dürfen. Dass Vertrauen wachsen kann. Und dass ein Mensch, dem immer wieder eingeredet wurde, er sei nichts wert, seinen Wert wiederfinden kann.


Das Vermächtnis von Abri ist kein Leben ohne Schmerz.

Es ist die Erkenntnis, dass die Vergangenheit ein Teil der eigenen Geschichte sein darf, ohne über die Zukunft zu bestimmen.


Es ist die Freiheit, wieder zu fühlen.

Wieder zu vertrauen.

Wieder zu leben.

Und wieder man selbst zu sein.


 
 
 

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